Hier soll es Raum geben für ganz viele Erfahrungsberichte, Gedanken, die einem beschäftigen .... oder einfach Tipps, um die Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten in Grenzen zu halten.

 

Ich bin das Schlachtfeld

 

Ich bin das Schlachtfeld. Ich bin eine Wiese, eine wunderschöne Blumenwiese, in einem Tal, auf einem Plateau, zwischen den Bergen, am Rand ein Indianerdorf.

Meine Außenlinien erinnern an die Form einer Leber, eines liegenden Tieres, eines verwundeten Tieres.

Ich erinnere mich: an Wärme, Sonne, Lieder, Musik, leisen Regen, säuselnden Wind, starke Windböen, Tierjagden, an Versammlungen im Versammlungszelt, an wärmende Feuer, an trommelbegleitete Tänze.

Ich erinnere mich an Bisonleber: dunkles rotes Fleisch, Sehnen, Knorpel, pulsierend, Leben, weich und fest, geschmeidig, eine Delikatesse, reinbeißen ins rohe Fleisch.

Ich halte die Halme aufrecht, ich bin straff, ich habe schon Scharmützel erlebt, ich erinnere mich an Klirren, Kreischen, klingendes Spiel, kalten Lärm,

an Trompeten und an Trommeln

sinnlos, endlos, erbarmungslos.

Ich liege da, ausgestreckt.

Ich zittere, ich bebe, ich kann´s nicht glauben,

ich spüre unbeschlagene Hufe, ich merke, wie sich die Grashalme wieder aufrichten können,

ich erschrecke über die schnellen Hufschläge beschlagener Pferde,

ich ziehe mich in mich zusammen,

ich halte meine Erdkrümel fest zusammen,

ich warte, ducke mich, senke die Erdkruste, sinke in die Erdkruste,

ich ziehe die lockeren Krümel hinunter,

ich merke die Krümel werden fester und härter,ich sauge die Krümel, die Krümel stinkend und triefend von Schweiß, Blut, Tränen, Angst und Hass, tiefer hinunter.

Ich werde gestoßen, hundertfach, tausendfach, millionen- und aber-millionenfach

ich neige mich zur Linken, ich neige mich zur Rechten,

ich höre Pferde, ich lausche dem Wiehern, ich spüre Getrappel, zartes Getrappel,

ich bin kitzlig, ich bin gespannt.

Ich bin ausgeliefert, ich kann nicht weglaufen,ich bin passiv, zum Passivsein geschaffen, gezwungen,

ich ertrage die Kämpfe, ich muss die Kämpfe ertragen,ich verstehe nicht, warum gerade auf mir Kämpfe ausgetragen werden.

Wie verführe ich wunderschöne Blumenwiese dazu, dass dauernd Fahnenstangen in mich gerammt werden,

dass Speere meine tieferen Erdschichten aufbohren,dass spitze Schwertenden meine oberste fruchtbare krümelige Schicht aufstoßen,

dass Zäune hier, Palisaden dort gesetzt werden,

dass warmes Blut, kalte Körper, raue Stoffen giftige Dämpfe, gewaltsam in mein Inneres eindringen?

Warum?

Ich werde in einem fort umgebaut, umgestaltet, anderes gestaltet, hergerichtet – warum?

Ich weiß nichts Besseres, um mich zu schützen, als die äußere Hülle zu verlassen und zu versuchen,

die ganz innen liegenden Regionen zu schützen: ich liebe die kühlen und dunklen Gefilde der Möglichkeiten im Erdinneren.

Die Leber verhärtet, pulsiert ins Leere, ins Nichts,

der Trompeter bläst ins Leere, zum Rückzug,

die Zellen sterben, sterben ab,

gelb, grün, glitzernd blau im Bild,

nicht mehr wieder gut zu machen, unumkehrbar, abgestorben.

Nach langem wage ich mich wieder heraus: ist der Kampf diesmal schon zu Ende?

Folgen noch Scharmützel? Oder steht der große Endkampf noch bevor?

Ich warte noch immer aufs Abtragen der Zäune,

aufs Zerhacken und Verbrennen der Palisaden,

aufs Umgraben meiner fruchtbaren Erdschicht,

ich spüre Rechen und Schaufel und Harke, ich spüre Dünger, Samenkörner, ich spüre Regen,

ich spüre Krümel und kleine Erdbröckerl

Ich bin eine Wiese, eine wunderschöne Blumenwiese,bin ich geheilt?

Ich verstehe nicht, warum.