Diagnose

 

Die Diagnose der Autoimmunhepatitis ergibt sich aus dem klinischen Bild, den Laborbefunden und dem Ergebnis der Gewebeuntersuchung (Leberbiopsie). Bei einem Verdacht wird oft probeweise eine immunsuppressive Therapie mit Corticosteroiden eingeleitet. Da die AIH sehr gut auf die Immunsuppression anspricht, kann dies eine Verdachtsdiagnose bestätigen. Grundsätzlich geht man nach einem Ausschlussprinzip vor, bei dem der Internationale AIH-Score Anwendung findet.

 

 

 

 

 

Leberbiopsie Autoimmunhepatitis

Fibroscan - eine Hilfestellung bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von AIH

 

Priv. Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch beantwortet unsere Fragen:

 

Kann der Fibroscan zur Diagnose von (autoimmunen) Lebererkrankungen herangezogen werden? Oder ist er nur in der Verlaufskontrolle der Erkrankung sinnvoll?

Der Fibroscan kann bei V.a. "Autoimmune Lebererkrankung" den Schweregrad der Erkrankung (Fibrosestadium /Vorliegen einer Zirrhose) einschätzen, natürlich auch den Verlauf.

 

Kann ein Fibroscan eine Biopsie ersetzen? Wie verlässlich sind die Ergebnisse  eines Scans im Vergleich zu den Ergebnissen einer Biopsie? Welche Fehleranfälligkeit gibt es?

Wenn die Diagnose "steht" kann er die Biopsie ersetzen. Bei unklarer Lebererkrankung wird, vor allem wenn eine fortgeschrittene Lebererkrankung vermutet wird, zur Feststellung der Ursache oftmals noch eine Leberbiopsie erforderlich sein. Der Fibroscan ist die beste / verlässlichste nichtinvasive Methode zur Feststellung des Fibrosegrads. Nahrungsaufnahme und akute Hepatitis können das Ergebnis verfälschen (falsch zu hohe Werte anzeigen), bei Patient/Innen mit starkem Übergewicht oder Bauchwasser (Aszites) kann die Messung manchmal nicht möglich sein.

 

Wie oft sollte man einen Scan machen: als Gesunde(r), als bereits Diagnostizierte(r)? Wie oft kann ein Scan ohne Schaden durch die Strahlen durchgeführt werden?

Sowohl für "Gesunde" als auch für "PatientInnen" kann der Fibroscan eingesetzt werden. Es ist eine ultraschallbasierte Methode, d.h. völlig harmlos und kann deshalb auch schon z.B. bei Kleinkindern oder Schwangeren eingesetzt werden und, wenn nötig, beliebig oft wiederholt werden. Je nach Erkrankung und Verlauf kann /soll eine Verlaufskontrolle alle 6 Monate bzw. jährlich erfolgen.

 

Welche Verfahren sind zur Absicherung eines validen Ergebnisses neben dem Fibroscan noch vorgesehen/nötig? (speziell für die Diagnose von AIH bzw. anderen autoimmunen Lebererkrankungen)

Einerseits Laboruntersuchungen: Vor allem Autoantikörper, quantitative Immunglobuline, Transaminasen, AP, GGT und Bilirubin. Bildgebende Verfahren: Ultraschall, aber auch zur weiteren Abklärung autoimmunologischer Lebererkrankungen, die auch die Gallenwege betreffen eine MR + MRCP der Leber. Alle 6 Monate soll eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Tumormarkerdiagnostik (AFP) erfolgen, um, aufgrund des erhöhten Risikos, einen Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom , HCC) zu entwickeln, dieses frühzeitig zu erkennen.  Bei unklarer autoimmuner Lebererkrankung wird, vor allem wenn eine fortgeschrittene Lebererkrankung vermutet wird, zur Feststellung der Ursache oftmals noch eine Leberbiopsie erforderlich sein.

 

Wie hoch sind die Kosten eines Scans für die Patienten zur Zeit, und wohin kann sich ein Betroffener wenden, um einen Scan durchführen zu lassen? Ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen geplant?

Die Kosten für einen Fibroscan betragen in Österreich dzt. 90 Euro. Es gibt im Moment nur eine Ordination in Österreich, die diese Untersuchung anbietet, Ordination Dr. Ferlitsch in Wien, www.fibroscan.at. Es ist keine spezielle Zuweisung erforderlich. Leider werden von den staatlichen Krankenkassen noch keine Kosten übernommen. Neben dieser Ordination gibt es noch einige Gastroenterologisch-Hepatologische Abteilungen, die der Universtätskliniken Wien (AKH), Graz, Innsbruck, Salzburg, sowie des Wilhelminenspital in Wien und  des KH der Elisabethinen in Linz, wo, für PatientInnen dieser Ambulanzen, der Fibroscan bei Zuweisung durch den Ambulanzarzt vor Ort durchgeführt werden kann.

 

Wir wissen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. Inwieweit wird der Fibroscan gendergerecht angewandt? Gibt es Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Patienten und wenn ja, wird auf diese Rücksicht genommen?

Im Bezug auf die Fibrosierung unterscheiden sich Frauen und Männer nicht, d.h. der jeweilige Fibrosegrad im Fibroscan oder Histologie ist nicht geschlechtsabhängig, auch ist die "Höhe" und "Grenzwerte" der Elastizität im Fibroscan nicht geschlechtsspezifisch unterschiedlich.

 

Gibt es Pläne eine Art "Vorsorgeuntersuchung mit dem Fibroscan" durch die Krankenkassen anzubieten? (siehe: Ergebnis des kostenlosen Lebertests im Rahmen der FemVital, wo ca. 300 Personen den Test machten und einige von ihnen mit erhöhten Leberwerten/zirrhotischen Veränderungen konfrontiert wurden)

Der Fibroscan böte sich als Vorsorgeuntersuchung natürlich an: er ist schmerzlos, ohne körperliche Belastung für die PatientInnen, und es gibt klare, nachvollziehbare Ergebnisse. Die Methode ist auch aufgrund der hohen Kosten (Anschaffung, Betrieb, Wartung) noch nicht flächendeckend etabliert, aber es werden in näherer Zukunft Gespräche über die Abrechnung des Fibroscans mit den Krankenkassen erfolgen, da ja z.B. ein Fibroscan auch für den Nachweis einer höhergradigen Fibrose zur Genehmigung einer Hepatitis C Therapie in Österreich durch die Krankenversicherung anerkannt wird.

 

... zu AIH allgemein ...

 

Wie kann ein Patient zu einer schnelleren Diagnose von AIH (bzw. anderer autoimmuner Lebererkrankungen) kommen? Gibt es Tendenzen, Hausärzte/Allgemeinmediziner mehr zu informieren? ( Nicht jeder Patient landet sofort auf einer Spezialambulanz…… )

Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sollten durch die Bestimmung von Transaminasen im Labor - da vor allem die ALAT (GPT) - Lebererkrankungen besser abgeklärt werden. Eine Erhöhung  sollte zur weiteren Abklärung führen. Bei Ausschluss einer Virushepatitis oder Alkohol als Grund der Erhöhung der Leberwerte, sollte spätestens dann eine Zuweisung zum Internisten erfolgen, der/die dann mittels Laboruntersuchungen, Ultraschall und ggf. Bestimmung des Fibrosegrads weitere wesentliche Schritte in der Abklärung setzt. Fortbildungen zum Thema des Umgangs mit der Diagnose "erhöhte Leberwerte" einerseits, und dann mit der Diagnose "autoimmunologische Lebererkrankung" andererseits, werden durch Fachgesellschaften (ÖGGH, ÖGIM...) und spezialisierte KollegInnen in zunehmenden Maße angeboten. Es gibt aber keine "Vorschrift", diese speziellen Fortbildungen auch zu besuchen.

 

Wie lange ist eine Behandlung von AIH erfahrungsgemäß notwendig? Wie stehen die Chancen auf Heilung? Welche unterstützenden Maßnahmen sollte/kann der Patient ergreifen?

Erfahrungsgemäß ist eine medikamentöse Behandlung oft lebenslang notwendig. Heilung, d.h. normale Leberfunktion, keine Fibrosierung, keine erhöhten Leberwerte ohne Therapie ist selten (max. im einstelligen Prozentbereich). Ausgewogene Ernährung hilft, dabei soll speziell auf einen geringen Fruktosegehalt, dafür reichlich Kaffeegenuss geachtet werden, da diese Maßnahmen einen nachweisbar positiven Effekt für nahezu alle Lebererkrankungen haben.

 

Gibt es aktuelle Zahlen, wie viele Neuerkrankungen es pro Jahr in Österreich gibt?

Mir liegen keine aktuellen Zahlen vor.

 

AIH und andere Autoimmunerkrankungen: Einige PatientInnen werden im Verlauf der Diagnose gleich mit einer weiteren Autoimmunerkrankung konfrontiert. Welche Autoimmunerkrankungen treten oft gemeinsam mit AIH auf?

Neben chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (vor allem bei primär sklerosierender Cholangitis und primär biliärer Zirrhose) sind es oft Schilddrüsenerkrankungen und Erkrankungen des rheumatoiden Formenkreises, die gehäuft auftreten.

 

 

Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch

Facharzt für Innere Medizin

Leiter Hepatisches Hämodynamiklabor / Gastroenterologie und Hepatologie / Medizinische Universität Wien

www.fibroscan.at

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